Monopole

Eines der häufigsten Argumente, das ich höre, wann immer ich es einer Gesprächsrunde wage, den freien Markt nicht zu verteufeln, ist jenes, dass dieser zwangsläufig zu Monopolbildung führen würde und der Monopolist seine Macht nahezu unbeschränkt misbrauchen könnte.

In diesem Artikel möchte ich jedoch darlegen, warum dies, auf den freien Markt bezogen, erstens ein Strohmannargument ist, und zweitens, dass Monopole, selbst wenn sie sich im freien Markt bilden würden, nicht annähernd so schlimm wären, wie sie gerne dargestellt werden.

Der Schaden durch Monopole

Der offensichtliche Anstoss den meisten Leute nehmen, ist dass Monopolisten einen überhöhten Profit erzielen. Dies allein könnte als unfaire Umverteilung angesehen werden, ändert aber ja noch nichts am insgesamten Wohlstand der Gesellschaft.

Der wirkliche Schaden:
Nehmen wir an ein Solarpanelmonopol existiert, welches aufgrund seiner Monopolstellung extrem hohe Preise verlangt und schlechte Qualität liefert. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Solarpanels künstlich, wodurch knappe Ressourcen wie Aluminium oder spezialisierte Fertigungstechnologien nun z.B. in die Produktion von billigen Einweg-Grillsets aus Aluminium fliessen, obwohl diese weniger nachhaltig, weniger gefragt und von geringerem Wert sind als Solarpanels. Dadurch werden Ressourcen von innovativen, umweltfreundlichen Verwendungen hin zu kurzlebigen, wenig geschätzten Produkten umgeleitet. Auch hochqualifizierte Arbeitnehmer, wie Ingenieure für erneuerbare Energien, sehen sich nun gezwungen in jene Branche zu wechseln, in der nun plötzlich mehr Ressourcen und mehr Jobs existieren. D.h.  in die Produktion von Einweg-Grillsets, wo sie als Produktionsmitarbeiter in der Aluminiumverarbeitung tätig werden, obwohl sie in der Solarbranche deutlich mehr Wohlstand und nachhaltigen Fortschritt hätten schaffen können.

Die Angst ist vor Monopolen ist also nachvollziehbar. Wahre Monopole, wie sie in der Sowjetunion allgegenwärtig waren (oder auch in Indien vor der Öffnung des Marktes), sind der Feind der Effizienz. Sie führen zu Ressourcenverschwendung, weitreichenden Fehlallokationen, hohen Preisen und schlechter Qualtiät.

Definitionen

Eine geläufige Definition ist, dass ein Monopolist eine Firma sei, die der einzige Anbieter eines bestimmten Produktes ist.
Diese Definition ist jedoch ziemlich nutzlos. Jeder wäre ein Monopolist, wenn man weit genug differenziert. Z.B. könnte ich der einzige Produzent von rosa gepunkteten Hustenbonbons sein. Ein Bauer könnte das Monopol über einen bestimmten Weizen haben, weil nur er seine ganz bestimmte Kombination aus Dünger und Zusätzen verwendet.

Ein Monopol entsteht also erst, wenn jemand ein Produkt anbietet, zu dem es keine vergleichbaren Alternativen gibt. Doch hier wird es schon sehr vage, denn was ist mit “vergleichbar” gemeint? 
In meiner Stadt, Schaffhausen, gibt es einen einzigen Anbieter für E-Scooter Vermietung (Bolt). Ignorieren wir für den Moment, dass sein Monopol allein durch die Lizenvergabe der Stadt besteht. 
Kann dieser vermeintliche Monopolist nun walten wie er will? Nein, denn der relevante Markt heisst nicht “E-Scooter Verleih”, sondern “Mobilität” (wieder das Problem mit der Differenzierung). Würde er seine Preise verdoppeln, würden die Leute auf andere Mobilitätsformen umsteigen. Sie würden den ÖV benutzen, zu Fuss gehen, einen Uber bestellen, oder sich einen eigenen E-Scooter kaufen.

Kürzlich ist eine Arte Doku genau diesem Trugschluss erlegen, indem sie Flixbus als Quasi-Monopolisten dämonisierten (es gibt durchaus Konkurrenten, die jedoch preislich und qualitativ nicht mithalten können). Wieder wurde eine künstliche Kategorie “Fernbusreisen” kreiert um ein scheinbares Monopol zu finden. Jedoch ist sich doch jeder, der jemals eine innereuropäische Reise gemacht hat bewusst, dass der Bahnverkehr oder Kurzstreckenflüge sehr attraktive Alternativen anbieten. Wieder ist der relevante Markt offensichtlich nicht “Fernbusreisen”, sondern “Mobilität”.

Wettbewerb

In unserer Diskussion über Monopole ist es wichtig zwei Arten von Wettbewerb zu verstehen:

  • Aktiver Wettbewerb: Dies ist, was die meisten von uns unter Wettbewerb verstehen. Anbieter konkurrieren um ein bestimmtest Produkt, welches momentan existiert.
  • Potentieller Wettbewerb: Hierbei manifestieren sich Konkurrenten, wenn ein Produkt die Nachfrage immer schlechter bedient. 

Potentieller Wettbewerb wurde schon in obigen Beispielen angedeutet, aber es geht noch viel weiter:
Menschen können nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.
Nehmen wir an, das Kino in einer Stadt wird immer unattraktiver und teurer. Die Leute könnten sich daher entscheiden, für das Geld, das sie in einen Kinoabend investieren, stattdessen eine Pizza nach Hause zu bestellen. Plötzlich stehen also Pizzaservice und Kino in Konkurrenz zueinander, der Kinobetreiber muss sich etwas einfallen lassen, um seine Kunden zurückzugewinnen. Es ist eine ökonomische Realität, dass es für Konsumenten immer Ausweichmöglichkeiten und Ersatz gibt, auch wenn diese manchmal schwer vorherzusehen sind.

Ein anderes Beispiel wäre ein Biermonopol (welches in der Schweiz sogar einige Zeit existierte). Könnte der Monopolist den Bierpreis willkürlich erhöhen? Die Leute würden wohl schnell auf Wein, Whiskey, Wodka, und unzählige andere Alkoholika oder andere Getränke* ausweichen, so dass die Einnahmen des Monopolisten einbrechen würden. Auch hier sind die potentiellen Wettbewerber alle Alkoholhersteller, nicht allein die Bierbrauer. Selbst jene, die nichts anderes als Bier trinken, könnten dieses immernoch aus dem Ausland besorgen.

* Ich weiss, dass vielen Lesern hier wohl sofort die Alarmglocken läuten “Was ist, wenn jemand das Monopol auf die einzige Wasserquelle hat?”. Ich werde auf natürliche Monopole weiter unten eingehen.

Fazit: In einem freien Markt konkurrieren alle Geschäfte um die Gunst der Verbraucher. Ich behaupte nicht, dass sich in einem freien Markt keine Monopole bilden könnten, aber wie ich weiter unten versuche auszuführen, wären diese erstens nicht zum Nachteil der Kunden und zweitens meist von sehr kurzer Dauer.

Staat und Monopole

Wie bereits erwähnt ist das Monopol eine Erfindung des Staates. Mich verwundert es ausserdem immer wieder, dass scheinbar 99% der Menschen mit einem riesigen Widerspruch leben können:

  1. Monopole sollen unbedingt verhindert werden, und deshalb soll der freie Markt reguliert werden.
  2. Gleichzeitig sollen Geldversorgung, Polizei, Gerichte, Besteuerung, Bildung, und etliche weitere Dinge monopolistisch organisiert werden (von einem Staat, der sich ja selber als Gewaltmonopolist bezeichnet). Ja, konkurrierende staatliche Institutionen werden gar als negative und unnötige Überschneidungen betrachtet.

Für mich klingt dass immer so wie jemand, der aus Angst vor dem sterben Selbstmord begeht. Die Angst vor Monopolen ist so gross, dass wir zum ultimativen Monopolisten flüchten. Doch wir schweifen ab, vielleicht behandle ich in zukünftigen Blog-Posts die philosophischen Fragen über den Staat an sich.

Was wenn ich dir sage, dass es noch nie ein natürliches Monopol gab, dass sich ausserhalb staatlicher Regulationen gebildet hat?
Ich fordere jeden Leser dazu auf, nach dem Lesen dieses Posts ChatGPT nach einem Beispiel zu fragen und mir zuzusenden. Wie gesagt müsste das gesuchte Monopol ohne staatliche Hilfestellung zustandegekommen sein, und die Konsumenten dürften keine Ausweichmöglichkeiten haben.

Die Rechtsetzung, Regularien, und hohe Hürden welche sich nur Grossunternehmen leisten können, sind in der Praxis die Voraussetzungen für ein Monopol. Dies ist auch der Grund warum Grosskonzerne oft für stärkere Regulierungen und Eintrittshürden lobbyieren (z.B. unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes). Es ist eine einfache Rechnung, dass ein Kleinbetrieb gemessen an seinem Umsatz wesentlich höhere Kosten hat, all die Regularien, Dokumentationspflichten etc. zu erfüllen, als ein Grosskonzern, der ohnehin eine eigene Abteilung voller Anwälte unterhält.

Aus Platzgründen kann ich nicht auf alle historischen “Monopole” eingehen. Doch schauen wir uns kurz das am häufigsten gebrachte Beispiel, Standard Oil von John D. Rockefeller, welches Ende des 19. Jahrhundert den amerikanischen Ölmarkt dominierte:

  • Selbst zu den Hochzeiten von Standard Oil (~90% Marktanteil) gab es Konkurrenten, grössere und kleinere inländische Unternehmen, sowie selbstverständlich das gesamte Ausland (wenngleich auch der Staat mit Zöllen in den Markt eingriff).
  • Standard Oil agierte nicht in einem freien Markt, sondern profitierte von staatlichen Strukturen. Z.B. erhielten sie exklusiven Rabatte bei Eisenbahnen, welche selbst massiv staatlich reguliert und subventioniert wurden, womit sie ihre Transportkosten gegenüber der Konkurrenz senken konnten. Sie nutzen auch Lobbyarbeit, um Wettbewerber mithilfe hohen Markteintrittsbarrieren (z.B. für Raffinerien und Pipelines) zu behindern.

Glücklicherweise hatte Standard Oil seine Marktmacht jedoch nicht in erster Linie durch staatliche Hilfe erlangt, sondern hauptsächlich im Wettbewerb, durch Effizienzsteigerung, Innovation, Skaleneffekte, was es ihnen erlaubte, den Preis von Öl massiv zu senken und für die breite Bevölkerung erstmals erschwinglich machte.
Wir sollten nie vergessen, dass der Markt kein Selbstzweck ist. Es geht nicht darum, ineffizientere Konkurrenten am Leben zu erhalten, sondern einzig darum, den Menschen zu dienen, mit immer besseren und günstigeren Produkten.
In diesem Sinne, kann der positive Effekt von Rockefellers Standard Oil nicht geleugnet werden:

Vor 1870 konnten sich nur die Reichen Kerzen oder Öl für ihre Lampen leisten. Die Mehrheit der Menschen war gezwungen bei Sonnenuntergang ins Bett zu gehen. Durch Rockefellers kostensparenden Innovationen wurde die Ölindustrie revolutioniert und Preise sanken auf einen Bruchteil. Das ermöglichte in den 1870ern, dass Lesen und Arbeiten nach Sonnenuntergang zur Freizeitbeschäftigung werden konnte.
Basic Economics, Thomas Sowell
Kapitel 8

Märkte "kontrollieren"

Da wahre Monopole extrem selten sind, werden potentielle Monopole mit viel juristischer Kreativität ausfindig gemacht. Meist indem der prozentuale Anteil an einem Markt genommen wird, den der Monopolist “kontrolliert”. Der Ankläger versucht natürlich den Markt so eng wie möglich zu definieren. So könnten z.B. Digitalkameras als separater Markt definiert werden. Ein Digitalkamera-Anbieter der seinen Markt “kontrolliert, müsste aber auch den Smartphone Markt kontrollieren, da diese ebenfalls sehr gute Kameras enthalten.

Oft werden anfänglich Aufsichtskommissionen eingeführt, aufgrund eines Interesses der Öffentlichkeit, um ein regionales Monopol zu kontrollieren. Über die Jahre verschwindet jedoch dieses öffentliche Interesse, während die regulierte Branche weiterhin ein sehr grosses Interesse daran hat, was zu einer Asymmetrie führt. Durch politische Einflussnahme verwandelt sich die Kommission von einem Schützer der Konsumenten zu einem Schützer des zu regulierenden Monopols (regulatory capture) – vor Bedrohungen durch neue Firmen und Technologien.
Nehmen wir als Beispiel die US Kommission für Eisenbahnen. Da es nicht ökonomisch war, mehrere parallele Eisenbahnlinien zu erstellen, wurde diese Kommission gegründet um das entstandene Monopol zu überwachen. Später wurde die Kommission ausgeweitet auf Trucks, welche anfänglich einen günstigeren Transport anboten. Um das Überleben der Eisenbahnen zu sichern, wurden Trucks mit unsinnigen Auflagen reguliert, was die Gesellschaft als Ganzes wesentlich mehr Ressourcen kostete. Dasselbe gilt für die Aufsichtskommission für Airlines. Um diese später gegenüber ausländischer Konkurrenz am Leben zu erhalten, wurden Milliarden ausgegeben.
Wenn sich die Markverhältnisse ändern und neue Wettbewerber auftauchen, werden die Regulierungsbehörden, die nun eigentlich obsolet sind, typischerweise nie aufgelöst, sondern deren Aufgabenbereich ausgeweitet.

Politiker und Anwälte verwechseln oft die Anzahl Wettbewerber mit Wettbewerb. Was als schädlich oder “unfair” für die anderen Wettbewerber erscheint, wird als Bedrohung des Wettbewerbs an sich angesehen. So bestraft dass Kartellrecht, was ja eigentlich hohe Preise verhindern sollte, gerade jene Anbieter die tiefere Preise ermöglichen und dadurch zu Recht einen hohen Marktanteil erhalten.
Anbieter, die z.B. in grossen Mengen handeln, erhalten bessere Konditionen von den Produzenten (bessere Planungssicherheit, economies of scale), was aber als Ausnutzung ihrer Macht gelabelt wird.

Die Verlierer in einer Marktwirtschaft werden gerne beklagt und politische “Lösungen” angestrebt um dies zu korrigieren.
Wenn aber ein wachsender Wohlstand für die Gesellschaft als Ganzes angestrebt wird, ist es jedoch unumgänglich, dass knappe Ressourcen immer wieder dorthin umgeleitet werden wo sie am Meisten Nutzen erzeugen.
So hat die Entwicklung von Computern zu Verlusten, Bankrotten, Arbeitslosigkeit in der Schreibmaschinen-Industrie geführt (Das Thema KI scheint aktuell Ähnliches auszulösen).
Finanzieller Druck ist nur eine Möglichkeit wie diese Allokation der Ressourcen (weg von der Schreibmaschine, hin zum Computer) erreicht werden kann. Eine andere Möglichkeit wäre, dass ein König oder Kommissar Firmen zwingt, mit ihren Ressourcen statt Schreibmaschinen Computer herzustellen, oder umgekehrt.
Sektoren zu retten, die mit der wirtschaftlichen Veränderung und dem Fortschritt kämpfen, bedeutet jedoch immer Ressourcen von Sektoren wegzunehmen, wo sie produktiver eingesetzt wären.

Zuletzt noch eine empirische Beobachtung:
Die Grösse des Staates hat über die letzten Jahrhunderte stetig zugenommen. Dies ging einher mit mehr Konsolidierung in “Monopole”. Wenn der freie Markt schuld wäre (und es nun mehr Staat gibt um ihn zu “bändigen”), müsste man ja die gegenteilige Korrelation sehen.

Monopole in einem freien Markt

Die Absenz von Wettbewerb zeigt uns dessen Wichtigkeit in der Marktwirtschaft. Wir können als Konsument nicht abschätzen wieviel Ressourcen und Arbeit in ein Produkt gehen um dessen Preis zu rechtfertigen. Angenommen einem Anbieter gelingt es in einer bestimmten Branche extrem überrissene Preise zu verlangen. Diese hohe Profitrate zieht sofort weitere Investoren in dieselbe Branche, die ja jeweils dort investieren, wo sie das höchste ROI erzielen. Die neu entstehenden Anbieter treiben den Preis so weit hinunter, bis die Profitrate wieder jener von anderen Branchen entspricht und Investoren nicht weiter angezogen werden. Wettbewerb ist also sozusagen die Schwarmintelligenz, die Preisfindung überhaupt erst möglich macht. 

Ohne den Staatsapparat ist der freie Markteintritt der Default Zustand.

Natürliche Monopole

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Mythen rund um Monopole

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